Heimvolkshochschule
GOTTFRIED KÖNZGEN

Fachtagung Refugees Welcome - Wie schaffen wir das?

Netzwerke sind das A und O.

Ute Erler vom „Asylkreis Haltern“ erzählt, wie der Kreis verschiedene Angebote für Flüchtlinge koordiniert.

„Ich habe mit niemanden schlechte Erfahrungen gemacht. “  Ute Erler sagt dies ganz nachdrĂĽcklich. Sie ist Mitglied des „Halterner Asylkreises“ – eine Gruppe, die vielfältige Angebote fĂĽr GeflĂĽchteten in Haltern am See  koordiniert – vom Spielangebot fĂĽr Kinder ĂĽber  Patenschaften fĂĽr Familien oder Kontaktpersonen fĂĽr die einzelnen UnterkĂĽnfte. Ute Erler macht das ehrenamtlich, neben ihrem Beruf und ohne Honorar. Sie kennt die Vorbehalte gegenĂĽber FlĂĽchtlingen – nicht erst seit der Silvesternacht 2015. Und ihre Erfahrung ist eine andere – und diese gute Erfahrung teilt sie mit allen, die an diesem Samstag (13.02.2016) bei der Fachtagung  „Refugees welcome – wie schaffen wird das?“ der KAB im Könzgenhaus  aus der Praxis der Arbeit mit GeflĂĽchteten erzählen und mit ihrem – meist ehrenamtlichen- Engagement zeigen: „Wir können es schaffen – gemeinsam.“

Wie etwa Dietmar Stalder aus Goch, der bis vor kurzem Leiter einer Notunterkunft mit 150 Betten in einer Turnhalle in Emmerich war. 150 Frauen, Kinder, Männer , im Alter zwischen einem Jahr und gut 60 Jahren  in einer Halle – ohne Trennwände zwischen den Betten – Trennwände gingen nicht wegen der Fluchtwege, erklärt Stalder, der ehrenamtlich KAB-Bezirksvorsitzender am Niederrhein ist. In einem Teil der Halle habe es unzählige Steckdosen gegeben – fĂĽr die Smartphones der FlĂĽchtlinge. „Die Handys sind sehr wichtig. Mit ihnen halten sie Kontakt zu den Familienmitgliedern weltweit,“ erklärt er. Inzwischen ist die Notunterkunft zurĂĽckgebaut und dient  wieder als Sporthalle.

Stalder und Erler leiten zwei der drei Workshops der KAB-Fachtagung. Den Nachmittag der Tagung bestreiten sie, Fachleute aus der meist ehrenamtlichen Praxis. Werner Bever ist der dritte Workshopleiter -  der 65jährige Rentner ist der Motor fĂĽr die Sprachkurse der KAB Metelen im NordmĂĽnsterland. Wöchentlich organisiert die KAB zwölf parallele Sprachkurse  - und inzwischen managen sie auch die „Nebeneffekte der Sprachkurse“, wie Bever die Sozialkontakte, die Stadtrundgänge fĂĽr Neuankömmlinge und  die Hilfen im Alltag nennt.

Beide Seiten lernen voneinander.

Werner Bever war früher IT-Techniker und hatte vor seinem Engagement Mitarbeiterschulungen im Betrieb durchgeführt. „Ich bin kein Pädagoge“, wehrt er ab, aber inzwischen hat er wie selbstverständlich das Arbeitsheft „Deutsch für Ausländer“ in seiner Tasche und kann viel erzählen vom Lehren und Lernen und von positiven wie auch von negativen Reaktionen auf sein Engagement. Unverständnis oder gar Pegida-nahe Parolen schmerzen ihn– vor allem dann, wenn sie aus dem näheren Umfeld kommen, sagt er. Die positiven Rückmeldungen, so versichert er, dominieren. Wenn man Werner Bever erzählen hört, ahnt man so langsam, mit welch verschiedenen Anforderungen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer umgehen müssen – sie organisieren Kurse, Betreuung, Familienpaten, Unterrichtsmaterialien oder sie lernen viel über Recht und Gesetze und Behördengänge und Anträge und Anhörungen; sie aquirieren Spenden und verwalten Finanzen – und sie sind Ansprechpartner/innen für nahezu alles, was ein Menschenleben bewegt und das oft mit wenig gemeinsamen Sprachkenntnissen auf beiden Seiten. „Es gibt immer mal wieder 1000 Gründe alles hinzuschmeißen, weil es auch schwierig ist“, gesteht Bever, „aber es gibt halt 2000 Gründe dafür weiterzumachen.“ Es ist die Freude über das erste zaghafte Lächeln der Menschen, die Traumatisches erlebt haben und es ist die Erfahrung, dass Flüchtlinge und Helfer/innen viel voneinander lernen.

Die Lage in Afghanistan ist desaströs.

Heinz Drucks vom FlĂĽchtlingsrat NRW hatte am Morgen eindrĂĽcklich geschildert, aus welchen Situationen die GeflĂĽchteten kommen: „Weite Teile von Syrien liegen in Schutt und Asche; Somalia ist ein Staat ohne jede staatliche Ordnung, die Lage in Afghanistan ist desaströs.“  Mit Drucks verstehen die Tagungsteilnehmer besser, was die Flucht fĂĽr die Menschen bedeutet. „Wo Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren, wächst auch die Bereitschaft, sich anderswo auf der Welt nach einer Zukunft umzusehen“, erklärt er und räumt „nebenbei“ in seinem Vortrag mit einigen Mythen auf  - wie dem Mythos, FlĂĽchtlinge bekämen mehr Geld als sog. Hartz IV-Empfänger. Oder dem Mythos, sichere Herkunftsländer seien sicher.

Vernetzen ist das A und O – für Helfer/innen.

Dietmar Stalder hat in den drei Monaten, während der er Leiter der Notunterkunft in Emmerich war wenig geschlafen und viel erlebt. Viele wollen nicht wirklich mit ihm darĂĽber sprechen, sagt er. Eine Reihe von Leuten weichen ihm mit dem Thema FlĂĽchtlinge regelrecht aus, ist sein Eindruck. Vielleicht weil es nicht ins Bild passt, was er erzählt –von Eltern, die ihre Kinder nicht in die Betreuung abgeben wollen, weil sie in den letzten Wochen nichts anderes getan haben als auf ihre Kinder aufzupassen, damit sie auf der Flucht nicht verloren gehen. Oder davon, dass Deutschland es schaffen kann. Und davon, dass Netzwerke das A und O fĂĽr Helfenden ist.  Auf vieles, was sie jetzt tun, wissen Ute Erler, Dietmar Stalder und Werner Bever, wurden sie nie vorbereitet – wann auch. Sie lernen durch ihr Tun, ihr Zupacken, durch ihr Engagement fĂĽr andere. Sie lernen, wenn sie sich mit anderen Helfenden und Hilfsorganisationen  austauschen. „Manchmal sei es tröstlich, so Stalder, „wenn man sieht, dass es ĂĽberall irgendwie gleich läuft.“ „Und Fehler machen ist nicht schlimm“, sagt Bever. „ man lernt aus Fehlern – wichtig ist keine Angst zu haben, das Unmögliche auszuprobieren.“

 

Text/ Foto: Heike Honauer

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